Frauen in der digitalen Arbeitswelt: Zukunftsorientierte Gestaltung von Frauenkarrieren in IT und Ingenieurwesen

Dokumentation des ExpertInnenforums im Rahmen des BMBF-Projektes „Frauen in Karriere – Fokus Forschung und Entwicklung“ vom 19. Juni 2015 in München

 

Noch immer gelten die IT-Branche und das Ingenieurwesen als Männerdomäne. Doch im Zuge der Digitalisierung könnten auch hier neue Chancen und Entwicklungsräume für Frauen entstehen, wenn Unternehmen die Transformation für eine wirksame Gestaltung der Arbeitswelt von morgen nutzen.

Im Rahmen des BMBF-Projektes „Frauen in Karriere – Fokus Forschung und Entwicklung“ kamen am 19. Juni 2015 rund 45 namhafte Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft in den Räumen der Industrie- und Handelskammer München zu einem ersten Treffen zusammen, um auf Basis von aktuellen Forschungsergebnissen und von Good Practice – Beispielen aus der Unternehmens- praxis über neue Wege für eine zukunftsorientierte Gestaltung von Frauenkarrieren in diesen beiden Bereichen zu debattieren.

Im Rahmen der Veranstaltung präsentierten WissenschaftlerInnen des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung München und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Gestaltungsszenarien für eine gendergerechte Arbeitswelt in der IT und im Ingenieurwesen. In einem Fachgespräch beleuchteten prominente UnternehmensvertreterInnen die Chancen und Risiken für Frauen in der digitalen Arbeitswelt. Erfahrene PraktikerInnen aus der IT- und Elektroindustrie sowie der Finanz- und Versicherungsbranche stellten innovative Konzepte, die Frauen fördern und mit in die Arbeitswelt von morgen nehmen können, zur Diskussion.

Wir haben erste Ergebnisse und Informationen aus diesem Kick-Off, das einen vertiefenden Austausch im Projektnetzwerk angestoßen hat, zusammengestellt. Ausführlichere Beiträge aus dem Fachgespräch und dem Unternehmenspanel sollen sukzessive folgen.

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Forschungsergebnisse
Frauen in der digitalen Arbeitswelt von morgen. Gestaltungsszenarien für Forschung und Entwicklung

Anja-Bultemeier

Kira-Marrs
Anja Bultemeier
Wissenschaftlerin am Lehrstuhl für Soziologie I der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Dr. Kira Marrs
Wissenschaftlerin am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München

Um die digitale Transformation für die Verbesserung der Entwicklungs- und Karrierechancen von Frauen in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der IT-Industrie und im Ingenieurwesen zu nutzen, bedarf es nach Überzeugung der Projektleiterinnen Kira Marrs und Anja Bultemeier vor allem einer gendergerechten Gestaltung der digitalen Arbeitswelt. Ankerpunkte hierfür sehen die Wissenschaftlerinnen in der Veränderung des Charakters von bislang technisch geprägten Arbeitsfeldern, der neuen Komplexität von Arbeit, der Neudefinition von Führung und Karrierewegen sowie der zunehmenden Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort. Mit diesen fünf Gestaltungsszenarien knüpfen sie direkt an den derzeitigen durch die Digitalisierung forcierten Umbruch in den Unternehmen an. In ihrem Forschungs- vortrag analysieren Bultemeier und Marrs die Handlungsfelder im Detail, erklären die Bedeutung des Informationsraums für die digitale Arbeitswelt und wie der neue Bauplan aussieht, mit dem Unternehmen sich für die Zukunft wappnen wollen.

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Fachgespräch
Frauen in der digitalen Arbeitswelt: Wo liegen die Chancen, wo liegen die Risiken?

 

Anja Christmann, Leiterin Personal Deutschland der Volkswagen Financial Services AG
Margret Klein-Magar, Sprecherin der leitenden Angestellten im Aufsichtsrat der SAP SE
Stefanie Kreusel, Senior Vice President Strategic Development ans Support und Vertreterin der leitenden Angestellten im Aufsichtsrat der T-Systems International GmbH und der deutschen Telekom AG
Dr. Elvire Meier-Comte, Senior Consultant Innovation Strategy and Project Leader Digitalization Office, Siemens Corporate Technology

Die vier Unternehmensvertreterinnen, die unter der Moderation von PD Dr. Andreas Boes die Chancen und Risiken für Frauen in der digitalen Arbeitswelt diskutieren, blicken insgesamt optimistisch in die digitale Zukunft, sehen aber auch komplexe Herausforderungen auf sich zukommen, wenn es um die Gestaltung der Rahmenbedingungen in ihren Unternehmen geht. Die Expertinnen erläutern die Bedeutung einer nachhaltigen Netzwerkarbeit, einer neuen Kultur von „Co-Working“ und „Co-Innovation“ sowie – als zentralen Dreh- und Angelpunkt – die Entwicklung neuer Führungsstrategien und Managementleitbilder. Handlungsoptionen sehen sie unter anderem in der Aufwertung von Fachkarrieren, anderen Vergütungsstrukturen und neuen Konzepten für die Auswahl und Förderung von Talenten. Zu den Herausforderungen zählen für sie neben der Öffnung der oberen Managementetagen für Frauen auch die Förderung ganzheitlicher Fachlichkeiten in Hochschulen und Unternehmen, die Harmonisierung der immer schneller werdenden Markt- anforderungen mit den neuen Prinzipien von Demokratisierung und Beteiligung in den Betrieben sowie die Einbeziehung von Betriebsräten und Gewerkschaften in die Gestaltung. Lösungen werden nach ihrer Ansicht nicht nur für „Karrierefrauen“ gebraucht, sondern für alle weiblichen Beschäftigten bis hin zu denjenigen, die geringer qualifizierten und von der Automatisierung bedrohten Tätigkeiten nachgehen. Ihr Fazit: Zukunftsweisende Ideen liegen durchaus auf dem Tisch, aber vielerorts mangelt es noch an einer nachhaltigen Umsetzung der neuen Konzepte.

Weiter zu den Beiträgen der Teilnehmerinnen des Fachgesprächs

Unternehmenspanel
Frauen im Unternehmen der Zukunft: Innovative Konzepte für die digitale Arbeitswelt von morgen

 

Ellen Dierkes, Frauenförderung und Diversity Management, Volkswagen Financial Services AG
Angelika Rübsteck, Organisationsentwicklung mit Schwerpunkt Skill Management, Gothaer Systems GmbH
Elly Siegert, Personalleitung, Robert Bosch GmbH
Christine Regitz, Vice President User Experience, Sprecherin des Business Women´s Network Deutschland und Mitglied des Aufsichtsrats der SAP SE

Die Vertreterinnen der Volkswagen Financial Service AG, SAP SE, Robert Bosch GmbH und Gothaer Systems GmbH präsentieren mit ihren Good Practice-Beispielen aus der Arbeitsgestaltung und Netzwerkarbeit eine Vielzahl an Konzepten, die sich bereits bei der Förderung der Entwicklung von Frauen bewährt haben oder einen erfolgversprechenden Ansatz hierfür bieten. So können neue flexible Arbeitszeit- modelle, die Freiräume schaffen für eine individuelle Arbeitszeitgestaltung, Frauen eine schnelle Rückkehr in den Beruf erleichtern. Als zielführend erweist sich auch die konsequente Verankerung von Zielwerten für die Erhöhung der Frauenanteile in der Belegschaft und deren kontinuierliches Monitoring über alle Hierarchieebenen hinweg sowie die Talentförderung im eigenen Haus. Flexibles und mobiles Arbeiten erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und stoßen auf deutlich mehr Akzeptanz, wenn sie in grundsätzliche Veränderungen der Führungs- und Unternehmenskultur eingebettet sind, die Beschäftigten in die Ausgestaltung mit einbezogen werden und Führungskräfte selbst über Modelle wie „Führen in Teilzeit“ mit gutem Beispiel voran gehen. Über diese konkreten Maßnahmen zur Frauenförderung hinaus bleiben Frauennetzwerke wichtige Handlungsplattformen, die sich – mittlerweile in vielen Unternehmen etabliert – nun dem digitalen Zeitalter stellen müssen.

Im Folgenden finden Sie die ausführlichen Beiträge des Unternehmenspanels:

Ellen Dierkes, Volkswagen Financial Services AG
Angelika Rübsteck, Gothaer Systems GmbH
Elly Siegert, Robert Bosch GmbH
Christine Regitz, SAP SE
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