Pressemitteilung zur Konferenz des BMBF-Projekts „Frauen in Karriere“

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In der Pressemitteilung des ISF München vom 29. Juni 2012 finden Sie alle wichtigen Informationen zur Konferenz des BMBF-Projekts „Frauen in Karriere“.

 

 

Pressemitteilung des ISF München vom 29. Juni 2012

Frauen wollen Karriere! Unternehmen auf der Suche nach strategischen Lösungen

Karrierechancen von Frauen in der Wirtschaft wird gegenwärtig intensiv diskutiert. Ob es aber wirklich zu nachhaltigen Veränderungen kommt, steht derzeit noch in den Sternen. Skeptiker wenden oft ein, dass Frauen weniger karriereambitioniert seien als Männer. Dagegen zeigen die neuesten Forschungsergebnisse des BMBF-Projekts „Frauen in Karriere“: Frauen wollen Karriere machen – wenn die Unternehmen für die entsprechenden Bedingungen sorgen. Über geeignete Strategien haben sich 150 hochrangige VertreterInnen aus Wirtschaft und Wissenschaft auf einer Konferenz am 29. Juni bei der SAP AG in Walldorf ausgetauscht.

Entgegen weit verbreiteten Annahmen wollen sich Frauen in einer Karriere ebenso verwirklichen wie Männer. „Aber das Karrierewollen von Frauen bleibt oft verborgen, weil die Karrierewelt keine adäquaten Bedingungen für sie bereitstellt“, so Anja Bultemeier, Wissenschaftlerin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg. Durch zunehmenden Druck aus Politik und Öffentlichkeit ist die Ausgangslage für Frauen in den Unternehmen jedoch gegenwärtig in Veränderung begriffen: Verkrustete Strukturen und Denkweisen brechen auf, was zu einer neuen Mobilisierung führt und das Karriereverhalten der Frauen verändert.

WissenschaftlerInnen des ISF München und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg haben die Karrierestrategien von Frauen und Männern vor dem Hintergrund der Karrieresysteme in modernen Unternehmen untersucht. Sie greifen dabei auf umfangreiche empirische Erhebungen in der Elektroindustrie, der ITK-Industrie und der Bankenwirtschaft zurück. Ihre Forschungsergebnisse zeigen, dass aus dem Zusammentreffen der Veränderungen im öffentlichen Diskurs und der gegenwärtigen Umbruchprozesse in den Unternehmen ein historischer Möglichkeitsraum für die Verbesserung der Karrierechancen von Frauen entstanden ist. In seiner Diagnose stellte der Leiter des Projekts, PD Dr. Andreas Boes (Vorstand ISF München), darüber hinaus einen dringenden Handlungsbedarf in den Unternehmen fest: „Der Möglichkeitsraum ist kein Automatismus. Zentral ist, dass die Unternehmen jetzt die Chancen nutzen, um die Karrieremöglichkeiten von Frauen proaktiv und ganzheitlich zu gestalten.“ So greifen die aktuellen Diskussionen um die Einführung einer gesetzlichen Quote zu kurz. Entscheidend ist vielmehr die nachhaltige Veränderung der Karrieremechanismen in den Unternehmen. „Eine grundlegende Umgestaltung muss insbesondere an der Versachlichung des Karrieresystems, der Veränderung der Verfügbarkeitskultur sowie der Förderung von Karrierewünschen bei Frauen ansetzen“, so Boes weiter.

Hochrangige Führungskräfte der Bosch Engineering GmbH, Deutschen Postbank AG, Deutschen Telekom AG, SAP AG, Siemens AG und der Taunus Sparkasse präsentierten bei der Konferenz ihre Konzepte zur Verbesserung der Karrierechancen von Frauen in der Wirtschaft. Das gemeinsame Credo: Das Thema „Frauen in Karriere“ muss strategisch in den Unternehmen eingebunden werden. So hob Dr. Jan Grasshoff (Senior Vice President, Talent, Leadership & Organizational Design, Global HR) von der gastgebenden SAP AG in seiner Keynote hervor: „Bei der SAP sind die Karrierechancen von Frauen mittlerweile ein zentraler Bestandteil unserer Zukunftsstrategie, mit einer fundamentalen Bedeutung für Innovation und Wachstum.“

Die strategische Bedeutung zeigte sich außerdem darin, dass ein Großteil der an der Konferenz beteiligten Unternehmen Vorstandsbeschlüsse mit klaren Zielwerten zur deutlichen Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen vorzuweisen hat. Dass die Karrierechancen von Frauen längst kein „Orchideenthema“ mehr sind, wurde auch daran deutlich, dass entsprechende Projekte in den Unternehmen direkt beim Vorstand aufgehängt sind. So besteht bei der Deutschen Postbank AG ein Lenkungskreis, in dem, neben dem zukünftigen Vorstandsvorsitzenden, vier weitere Vorstände vertreten sind. „Durch dieses hochrangige Gremium tragen wir der strategischen Bedeutung des Themas Frauen in Karriere Rechnung – denn nur mit dem Commitment des Top Managements kann ein solches Projekt nachhaltig und erfolgreich umgesetzt werden”, erläutert Andrei Frömmer, Abteilungsleiter Führungskräfteentwicklung und -betreuung der Deutschen Postbank AG.

Für den Ingenieursbereich hingegen unterstrich Juanita Jordan, Personalleiterin der Bosch Engineering GmbH, die besondere Bedeutung verbesserter Karrierebedingungen für Frauen: „Für Unternehmen wie die Bosch Engineering GmbH ist die Erhöhung des Frauenanteils von strategischer Bedeutung, um die Vorteile von gelebter Vielfalt – z.B. die höhere Innovationskraft – nutzen zu können und den sich verschärfenden Fachkräftemangel aufzufangen.“

Den Abschluss und gleichzeitig den Höhepunkt der Veranstaltung stellte eine Podiumsdiskussion zum Thema „Frauen in Karriere – ein strategisches Thema für das Unternehmen der Zukunft“ dar: Moderiert von Prof. Dr. Rainer Trinczek (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg) diskutierten hochrangige VertreterInnen von Vorreiterunternehmen, Mechthilde Maier (Leiterin Group Diversity Management des Konzerns Deutsche Telekom AG), Barbara Fischer (Head of Business Administration and Controlling, Siemens AG), Juanita Jordan (Personalleiterin, Bosch Engineering GmbH), Barbara Althoff-Simon (Executive Vice President, Corporate Officer, SAP AG) und Andrei Frömmer (Abteilungsleiter Führungskräfteentwicklung und -betreuung, Deutsche Postbank), mit PD Dr. Andreas Boes (Vorstand ISF München) und mit Christiane Benner (geschäftsführendes Vorstandsmitglied, IG Metall Vorstand).

Zum Projekt

Das Projekt „Frauen in Karriere” wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Themenschwerpunkt „Frauen an die Spitze” im Rahmen des Förderbereichs „Strategien zur Durchsetzung von Chancengleichheit für Frauen in Bildung und Forschung” gefördert und vom Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union kofinanziert.

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